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Maxwell

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In einer Zeit der Schnelllebigkeit scheint der Begriff des Wartens hoffnungslos veraltet. Aber mit Warten hängt auch Vorfreude zusammen, und die muss angesprochen werden, wenn es um das neue Album von Maxwell geht. Ja, nach einer ausgedehnten Pause ist der sexy Botschafter des Souls wieder da – mit neuem Look und einem frischen und doch wunderbar klassischen Sound. Der gleiche Künstler, der uns zeitlose Hits wie „Sumthin‘ Sumthin‘“, „Ascension (Don‘t Ever Wonder)“, „Lifetime“, sowie das unvergessene Kate-Bush-Cover „This Woman‘s Work“ gebracht hat, ist mit seinem anspruchsvollen, reifen, sinnlichen, engagierten und emotional offenen Album „BLACKsummers’night“ zurück. Der erste Teil einer Trilogie zeigt, dass sich das Warten gelohnt hat.

 

„BLACKsummers’night“ ist sein insgesamt viertes Studioalbum und das erste seit acht Jahren. Es verkörpert den Sound eines Künstlers, der das Engagement seinem Handwerk und dem Dialog mit seinem Publikum gegenüber auf eine neue, höhere Ebene stellt. Unnötig zu sagen, dass dieser Dialog überfällig war, aber wie der mehrfach mit Platin ausgezeichnete Künstler mit der sanften Stimme es sieht, war es notwendig, erst einmal einen Schritt zurückzugehen um dann wieder anzufangen. „Ich wollte zurück zu meinem Versprechen kommen“, so Maxwell. „Wofür stehen meine Musik und meine Arbeit bei den Leuten? Mich wieder auf dieses Versprechen zu besinnen, das war, was mein Herz wirklich wollte. Es war nicht meine Absicht, allem den Rücken zuzukehren, aber ich wollte erst mal... ein wenig mein Leben leben und dann wieder mit dieser reinen Erfahrung Musik machen.“

 

Er mag sich aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit zurückgezogen haben, aber mit der Arbeit an „BLACKsummers’night“ hat Maxwell gemeinsam mit seinem langjährigen Partner und Freund Hod David bereits vor vielen Jahren begonnen. Als erster Teil der Trilogie „BLACKsummers’night“, ist „BLACK“ eine eher düstere aber gefühlvolle Komposition. „Summers’“ trifft eher die Gospel-Seite des Künstlers, während „Night“ eine sehr coole Sammlung von langsamen Jams ist. Ende 2008 war der Prozess des Feinschliffs am Album in vollem Gange. Obwohl der Großteil seines kreativen Teams an Bord war, machte sich Maxwell mit großer Vorsicht und der peinlichen Genauigkeit eines wahren Genies an die Kreativarbeit. „Jedes Mal, wenn ich ins Studio kam, hatte ich diese Frage im Kopf: ‚Versuche ich hier, das letzte Album zu übertreffen?’ Ich wollte einfach nur eine richtig gute Platte machen.“ Natürlich erlaubt es Maxwells berühmte Bescheidenheit ihm an dieser Stelle nicht zu betonen, dass das Ergebnis seiner Arbeit nicht nur einfach „gut“ ist, sondern (wie auch seine anderen Projekte) ein zeitloses Werk.

 

Die neun unübertrefflichen Songs auf „BLACKsummers’night“ zeigen Maxwell, der das Leben mit einer offenen und entschlossenen Sinnlichkeit erforscht, die zweifellos zu ihm gehört. Die erste Single „Pretty Wings“ beginnt mit zarten sehnsüchtigen Glockenklängen und ist in ihrer Art wehmütig („your face will be the reason I smile“) und zugleich unbestreitbar leidenschaftlich. „Es geht um meine letzte Beziehung“, erzählt Maxwell. „Darum, wie du die Frau deiner Träume triffst – aber zur falschen Zeit. Sie war eine ernsthafte Inspiration und der Song beschreibt all die Dinge, die ich ihr sagen wollte.“ „Ich kann ein wenig emotional behindert sein“, gibt er zu, „aber durch meine Musik kann ich ausdrücken, was ich will.“ Ein weiterer überzeugender Song des Albums ist „Stop the World“. Ein rhythmischer Sturm des Verlangens, den Maxwell mit dem Ausdruck „körperliche Beziehungen haben“ umschreibt. „So nenne ich Sex…“, enthüllt er ungeniert, „und das ist, was die Welt anhält.“ …Mhmmm.

 

Ebenso persönlich ist „Fistful of Tears“. Durchgehend von einem starken Piano angetrieben, wechselt Maxwell hier auf seine unvergleichliche Art zwischen Falsett und Bariton, und beherrscht die Melodie wie ein Mann, der gänzlich von seinen Gefühlen besessen ist und sich ihnen gleichzeitig schon längst ergeben hat. „Es geht um den Wunsch, die Branche und eine Beziehung zu verlassen, aber dann zu der Erkenntnis zu kommen, dass ich dem Ganzen noch eine letzte Chance geben sollte. Gib nicht auf.“^

 

Im von Jazz-Einflüssen dominierten Stück „Cold“, das von Blechbläsern bestimmt und in einen zuckersüßen Groove eingehüllt ist, stellt Maxwell die ewige Frage aller Verliebten: „Warum magst du mich, so wie du es tust?“. Sehr sexy.

 

Am 24. Juni versetzte Maxwell bei den BET-Awards 2008 ein unvorbereitetes Publikum mit einer Live-Darbietung des Al-Green-Klassikers „Simply Beautiful“ in Erstaunen. Es war sein erster Live-Auftritt seit sieben Jahren. Ohne seine typischen Markenzeichen, den Afro-Haarschnitt oder seinen Seidenanzug, war es schwer zu erkennen, ob es sich bei dem 1,80 Meter großen Mann um eine Illusion handelte, oder ob es tatsächlich der Künstler war, der ganze Legionen treuer Fans so viele Jahre auf mehr warten ließ. Aber schon nachdem er die erste zarte Zeile sang („If I gave you my love…“), erinnerte sich jeder im Saal, einschließlich Maxwell. Über den unvergesslichen Auftritt wurde im Jahr 2008 so häufig wie über kaum einen anderen gesprochen. Das gesamte Publikum („normale“ Besucher und viel Prominenz) ließ sich wieder von diesem einzigartig authentischen Soul begeistern, der den Hörern viel zu lange vorenthalten worden war. Von der ekstatisch-herzlichen Reaktion überwältigt und inspiriert, beschloss Maxwell, wieder auf Tour zu gehen – ohne ein Album oder einen konkreten Plan. Keine zwei Monate später kündigte der Künstler den Auftakt seiner heiß erwarteten „BLACKsummers’night“-Tour 2008 an. Maxwell begann die Konzertreise mit einem ersten Auftritt beim „Macufe Music Festival“ in Südafrika. Alle 10.000 Plätze waren ausverkauft und Maxwell erhielt die südafrikanische Ehrenstaatsbürgerschaft. Das Konzert war nicht nur sein erstes seit sieben Jahren, es war auch sein erster Auftritt in Südafrika überhaupt.

 

In den USA verkauften sich alle 144.000 Tickets für die Tour innerhalb von wenigen Minuten nach dem Vorverkaufstart. Die überwältigende Nachfrage führte dazu, dass die ursprünglich auf 26 Auftritte angesetzte Tour auf 33 Termine aufgestockt wurde. Maxwell trat in allen bedeutenden Städten der USA auf. In New York gelang es ihm, die renommierte Radio City Music Hall und alle 3.000 Sitze des Theaters „The United Palace“ komplett auszuverkaufen. Jon Caramanica, Autor bei der New York Times, erklärt: „Maxwell hat etwas, was seinen Nacheiferern fehlt: Komplexität. Einige der kraftvollsten Momente [beim Auftritt in der Radio City Music Hall] fanden in den bedeutungsvollen Pausen zwischen den Noten statt. So hat Maxwell es geschafft, das Gefühl aufrechtzuerhalten, auch wenn sein Mund geschlossen war.“

 

Die Möglichkeit, wieder auf die Bühne zu gehen und auch ohne ein aktuelles Album so eine enorme Reaktion zu erhalten, war für Maxwell eine Offenbarung, die ihn dazu brachte, die Arbeit an seinem immer wieder verschobenen Album zu vollenden. „Für diese Erfahrung bin ich mehr als dankbar. In der Lage zu sein, ein Risiko einzugehen und so aufrichtiges Interesse dafür von den Leuten zu bekommen, passiert so selten. Dadurch wurde die Arbeit an diesem Album sogar noch wertvoller. Es war diese reine Energie. Ich merkte... darum tue ich das alles. Weil den Leuten echte Musik wirklich etwas bedeutet und weil sie auf dich warten.“

 

1996 eroberte das damals 23-jährige Ausnahmetalent aus Brooklyn die Musikwelt mit seinem Debütalbum „Urban Hang Suite“ im Sturm (er unterschrieb im zarten Alter von 21 bei Columbia Records einen Vertrag, nachdem er schon mehr als 300 Songs geschrieben hatte.) Die von Kritikern gefeierte CD erhielt eine Grammy-Nominierung als „bestes R&B-Album“ und erreichte DoppelPlatin-Status. Maxwells Album „MTV: Unplugged“ (1997), das eine Live-Aufnahme von „This Woman‘s Work“ enthielt, erreichte Gold-Status. Er wurde als die Zukunft der Soulmusik gepriesen und sicherte sich mit seinem ebenfalls mit Platin ausgezeichneten Nachfolgealbum „Embrya“ einen dauerhaften Platz in der Musikwelt. 1999 wurde Maxwells Single „Fortunate“ (aus dem Soundtrack zum Film „Lebenslänglich“) zur Nummer Eins des Jahres im Billboard Magazine. Maxwells drittes Album „Now“ (2001) stieg auf Platz eins in die Billboard Top 200 Album-Charts ein, verkaufte sich in der ersten Woche 300.000 Mal und erreichte ebenfalls Doppel-Platin-Status. Die Zeitschrift Entertainment Weekly bezeichnete das Album treffend als einen „mit Samt überzogenen Fehdehandschuh, der dem von materiellen Oberflächlichkeiten besessenen R&B-Pack vor die Füße geworfen wurde.“

 

Maxwell erklärt, dass genau wie seine Fans auf ihn gewartet haben, er auch auf sie gewartet habe, um sich dabei selbst zu finden. „Manchmal kann ich nicht glauben, dass ich das hier tue. Du lebst einfach dein Leben, gehst einkaufen, bringst den Müll raus und plötzlich stehst du auf der Bühne der Radio City Music Hall. Das ist etwas, das dich wirklich einschüchtert, und du denkst, dein Ego gerät jetzt außer Kontrolle, aber ich fühle nur Bescheidenheit. Es ist so, als wäre das der Grund, warum ich es tun muss. Es geht nicht ums Ego. Es geht darum, deine Möglichkeiten zu nutzen, und um den Segen arbeiten zu können, und die Freude, die du den Leuten möglicherweise bringen kannst. Das ist, worauf für mich alles hinausläuft.“

 

Eine Konstante auf „BLACKsummers’night“ ist der lebendige und oft rohe Sound. Das ganze Album wurde mit einer außergewöhnlichen zehnköpfigen Live-Band aufgenommen. Damit kehrt Maxwell zurück in eine Zeit, in der ein genialer Solokünstler Musik anbieten konnte, die fast Perfektion erreicht. Ohne Synthesizer, ohne Duette. Nur Maxwell, unverhüllt, authentisch und bereit, alten und neuen Fans eine echte Sinneserfahrung zu bringen – was ihm auch ohne Ausnahme gelingt.

 

 

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